Ausbildung im Wunschberuf ist die Regel

Schon während der Schule haben viele Jugendliche bestimmte Vorstellungen, welchen Beruf sie später einmal ergreifen wollen. Für die meisten wird der Wunsch Realität, wie eine Befragung zeigt. Hauptschüler haben dabei keine schlechtere Auswahl als Abiturienten.


Kfz-Mechatroniker/in, Friseur/in, Schreiner/in oderAzubi Glaser
Fensterbauer/in – die Ausbildungsmöglichkeiten im
Handwerk sind enorm vielfältig. Doch kann wirklich jeder Schulabgänger den Beruf erlernen, der am meisten seinen Wünschen und Fähigkeiten entspricht? Ja lautet die Antwort einer bundesweiten Befragung von 1.500 Schulabgängern
im Jahr 2012, die das Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) durchgeführt hat. Mehr als vier von fünf Berufsanfänger können nach der Schule genau die Ausbildung aufnehmen, die ihren Vorstellungen entspricht. Weitere 16 Prozent der Schulabgänger haben in ihrem Lehrberuf zumindest teilweise Inhalte, die ihren ursprünglichen Plänen entsprechen. Nur eine kleine Gruppe von vier Prozent befindet sich in einem Ausbildungsberuf, der nicht den eigentlichen Wünschen entspricht.

Ausschlaggebend für diese positive Entwicklung ist, dass die Jugendlichen häufig mehrere Zusagen für Ausbildungsstellen hatten und unter diesen auswählen konnten. So wurden den Jugendlichen laut BIBB-Analyse durchschnittlich 2,2 Stellen angeboten, jede/r zweite Berufsanfänger/in hatte mehr als einen Ausbildungsplatz in Aussicht. Die Anzahl der zu besetzenden Lehrstellen übertrifft also das Angebot der Bewerber.

Hauptschüler nicht im Nachteil

Dabei hatten diejenigen Jugendlichen mit Hauptschulabschluss, die bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz Erfolg hatten, sogar mehr Lehrstellen in Aussicht (im Durchschnitt drei) als Studienberechtigte (1,8) oder Jugendliche mit Realschulabschluss (1,9). Als ein Grund führt die BIBB-Analyse die Tatsache an, dass Jugendliche mit Hauptschulabschluss häufiger (53 Prozent) die Vermittlungsdienstleistungen der Bundesagentur für Arbeit nutzen als Jugendliche mit Realschulabschluss (49 Prozent) oder Studienberechtigte (36 Prozent).

Bei der Ausbildungssuche setzen die Jugendlichen vor allem auf drei Zugangswege. 32 Prozent aller Befragten gaben an, vor allem öffentlich zugängliche Informationen und Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen. Hierunter fallen z.B. die Stelleninformationsbörse und Berufsberatung der Arbeitsagentur sowie Stellenanzeigen von Unternehmen in Printmedien oder im Internet. 30 Prozent setzen auf "eigene Aktivitäten" - meist in Form von Betriebspraktika - oder auf eigenes Nachfragen bei Betrieben. 25 Prozent gaben "soziale Netzwerke" beziehungsweise "soziale Beziehungen" an – gemeint sind hier Kontakte zu Eltern, Verwandten, Freunden und Bekannten.

Internet bei Abiturienten als Informationsquelle

Je nach Schulabschluss zeigen sich bei den Zugangswegen jedoch deutliche Unterschiede. Abiturienten und Abiturientinnen nutzen stärker öffentlich zugängliche Informationen, zum Beispiel über das Internet (45 Prozent) und soziale Beziehungen (29 Prozent). Betriebspraktika und eigenes Nachfragen bei Betrieben spielen dagegen nur eine geringe Rolle (12 Prozent). Bei Jugendlichen mit Haupt- oder Realschulabschluss hat aber genau dies den höchsten Stellenwert (34 Prozent). Auf soziale Beziehungen (24 Prozent) oder öffentlich zugängliche Informationsquellen (knapp 30 Prozent) haben diese Schülerinnen und Schüler nur in geringerem Maße zurückgegriffen.

Die Attraktivität des dualen Ausbildungssystems und die Aufstiegsmöglichkeiten haben die Jugendlichen von Beginn an im Blick. 76 Prozent aller Befragten gaben an, dass sie sich nach der Ausbildung weiterqualifizieren möchten. Für 67 Prozent der Jugendlichen mit Hauptschulabschluss und für 60 Prozent der Jugendlichen mit Realschulabschluss ist dabei eine Aufstiegsfortbildung zum/zur Meister/-in, Techniker/-in oder Fachwirt/-in das Ziel. Bei den Abiturienten und Abiturientinnen gaben lediglich 31 Prozent an, nach der Ausbildung eine Aufstiegsfortbildung absolvieren zu wollen, fast die Hälfte (47 Prozent) will nach der Ausbildung eher ein Studium aufnehmen. 

Quelle: Deutsche Handwerkszeitung



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