Kunsthalle Mannheim

Kunsthalle Mannheim - © vafVor der bildenden Kunst kommt die Baukunst und die Ingenieurskunst. 22 Millionen Euro haben sich die Stadt Mannheim, das Land und der Bund in einem gemeinsamen Kraftakt die mustergültige Sanierung des Jugendstil-Baus der Mannheimer Kunsthalle kosten lassen, acht Millionen mehr als ursprünglich vorgesehen. Nun ist es geschafft. Verbaler Tusch und Streicherduo. Bürgermeisterliche Bonmots von Kurz bis Quast und Direktorinnen-Dank in der geschliffenen Art der Kunsthallen-Chefin Ulrike Lorenz. Zerklirrte Sektgläser als zufällige Glückssymbole und der Besuch der alten Dame Hildegard Bangert, die 1933 als 15-jährige nicht mehr in die Kunsthalle durfte, weil draußen stand, dass Juden der Zutritt verboten sei. Ihre Familie konnte sich in die USA retten, sie selbst wurde eine bedeutende Galeristin und beherrscht als 92-jährige Weltbürgerin noch immer Mannemerisch, wie sie gestern beim „Grand Opening“ bewies.
Noch sind die sanierten Räume des 1907 nach Plänen des Karlsruher Architekten Hermann Billing errichteten Sandstein-Baus leer. Bei der an neuesten energetischen Richtlinien orientierten Sanierung gab’s allerlei Altbau-Überraschungen, daher die Mehrkosten. Viel Klimatechnik wurde unsichtbar verbaut, Tageslicht und LED-Beleuchtung sind aufeinander abgestimmt, und fast 2000 Sensoren sorgen dafür, dass künftig der knapp eine Milliarde Euro schwere Kunstschatz und die bei Sonderausstellungen zusätzlich präsentierten Leihgaben keinen Schaden durch zu hohe Luftfeuchtigkeit oder Temperaturen erleiden. Dafür wurden 13 Kilometer Kabel verlegt. Hut ab!
Chapeau aber auch dafür, dass die Jugendstil-Architektur trotz des Faceliftings ihre Aura erhalten hat. Dafür sorgte das mit der Generalsanierung beauftragte Architekturbüro Pitz & Hoh, spezialisiert auf den Bereich der Denkmalpflege. Für die Ausstellungsräume wählten die Profis einen dezenten hellgrauen Anstrich. Dessen Neutralität soll nicht von den Exponaten ablenken, die künftig hier zu sehen sein werden. Mit dieser Gestaltung grenzt man sich von anderen großen Ausstellungshäusern wie etwa der Stuttgarter Staatsgalerie oder der Gemäldegalerie Alte Meister auf dem Berliner Kulturforum ab. Dort wählte man kräftig-geschmackvolle Farbtöne für die Raumgestaltung.
Abgesehen von Brancusis 1930 entstandenem Goldfisch, der in seiner schlichten Eleganz aussieht wie ein Handschmeichler im Goliath-Format, und der Lichtkristall-Wolke des gehypten Dänen Olafur Eliasson gibt’s im Billing-Bau noch keine Kunst. Er ist sich in dem nächsten Tagen selbst genug und kann als architektonische Hülle gefeiert werden. Am 22. November folgt mit der Eröffnung der lang ersehnten Sonderausstellung „Dix / Beckmann: Mythos Welt“ die erste große Präsentation.
Das Erdgeschoss dient künftig Sonderausstellungen, im Obergeschoss soll ab Ostern 2014 die Dauerausstellung mit Meisterwerken aus eigenen Beständen ihren Platz finden. Bis dahin muss man sich noch gedulden, um Manets „Erschießung Kaiser Maximilians“, Cézannes „Raucher“ oder Kokoschkas „Sonia“ wiederbegegnen zu können. 
Geplant wird unterdessen weiter in Mannheim. Bis 2017 soll der vordere Mitzlaff-Bau der Kunsthalle durch einen Neubau des Architekturbüros Gerkan, Marg und Partner ersetzt werden. Kosten: rund 70 Millionen Euro, wovon der Hauptsponsor und SAP-Mitbegründer Hans-Werner Hector 50 Millionen übernimmt. Allen gefällt das nicht: Die Bürgerinitiative „Rettet den Friedrichsplatz!“ fürchtet, dass durch den Neubau der Jugendstilbau an Wirkung verliert. Beim „Grand Opening“ wurde deshalb Flagge gezeigt. 

Quelle: RNZ 19.10.2013

Fensterkonstruktion:

Von uns wurden Einfachfenster mit Sprossen und dahinterliegende Kastenfenster realisiert. Der Sonnen- und UV-Schutz liegt im Kastenzwischenraum. 



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