Professor-Kehrer-Haus Meckesheim

Professor-Kehrer-Haus MeckesheimIn diesem Gebäude in Meckesheim führte Prof. Kehrer, Direktor der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg, am 25. September 1881 den ersten konservativen, klassischen Kaiserschnitt durch – diese Operationsmethode verringerte in der Folge die Müttersterblichkeit von 80% auf 0,2%.

Das Gebäude und der dazugehörige Platz wurden im Jahr 2011 saniert. Wir führten die denkmalgetreue Nachbildung der Fenster durch.

 

Ferdinand Adolf KehrerAls Professor Ferdinand Adolf Kehrer am 25. September vor genau 130 Jahren ein Telegramm aus Meckesheim erhielt, da ahnte er noch nicht, dass dies der Tag sein sollte, an dem sein Name in die Medizingeschichte eingehen würde. Der Heidelberger Ordinarius für Frauenheilkunde wurde zu einer Entbindung gerufen, die überaus heikel zu sein schien. Hatte doch sein Neckargemünder Kollege Dr. Schütz zuvor bereits die "Notwendigkeit des Kaiserschnitts" bei einer Frau festgestellt, die seit zwei Tagen in den Wehen lag.
Kehrer packte seinen Arztkoffer und nahm am frühen Nachmittag mit seinem Stab – zwei Chirurgen sowie einer Hebamme – den Zug nach Meckesheim. In der dortigen Mandelgasse, die 1976 in Professor-Kehrer-Straße umbenannt wurde, gelang ihm quasi auf dem Wohnzimmertisch die Sensation: Im Rahmen einer einstündigen Operation konnte der Arzt das Leben von Mutter und Kind retten, indem er eine neue Schnittführung am Uterus erstmals an einer Lebenden erprobte. Das war die Geburtsstunde des modernen Kaiserschnitts.
Doch was geschah genau an jenem Sonntag, dem 25. September 1881? Die 28-jährige Emilie Schlusser, Frau des Schreiners Friedrich Schlusser, stand unmittelbar vor der Geburt ihres vierten Kindes, konnte jedoch aufgrund ihres verengten Beckens nicht gebären. Für die Mutter dreier Kinder, die alle im ersten Lebensjahr verstorben waren, bedeutete Professor Kehrer die letzte Rettung. Der Leiter der Heidelberger Frauenklinik wird später seinen ersten Eindruck nach Eintreffen in der Meckesheimer Mandelgasse folgendermaßen beschreiben: "25. September, Nachmittags 5 Uhr, waren wir zur Stelle. Wir fanden bescheidene Räume vor: ein Wohnzimmer mit drei Fenstern ... das als Operationszimmer und ein einfenstriges Schlafzimmer mit zwei Betten ... das später als Wochenzimmer diente."
An besagtem Tag stand kein Operationssaal zur Verfügung, kein elektrisches Licht. Fließendes Wasser gab es zu dieser Zeit in Meckesheim auch noch nicht. "Zwei Hängelampen, eine Stehlampe und Stearinkerzen" sorgten laut Kehrer für die nötige Helligkeit. Der "einzige kurze Tisch wurde mit Leintüchern und Kissen versehen und davor ein Stuhl für die Beine der Kreißenden gestellt, die Instrumente in Carbolwasser gelegt". Unter diesen einfachsten Bedingungen in der Abgeschiedenheit eines 1000-Seelen-Dorfes wurde ein neues Kapitel der Gynäkologie aufgeschlagen.
Quelle: Rhein-Neckar-Zeitung, Ute Teubner

 



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